Divertikulitis
Definition
Die Divertikulitis ist die **Entzündung von Kolondivertikeln** — kleine ausgestülpte Schleimhautaussackungen durch muskelschwache Stellen der Kolonwand. Sie sind in 95 Prozent der Fälle im **Sigma** lokalisiert (daher der Begriff 'Linksseitige Appendizitis').
Prävalenz: etwa 30 Prozent über 60 Jahre, 50 Prozent über 80 Jahre in Deutschland.
Ätiologie:
- ballaststoffarme Kost
- erhöhter intraluminaler Druck
- Bindegewebsschwäche
Man unterscheidet:
- unkomplizierte Divertikulitis
- komplizierte Divertikulitis (Perforation, Abszess, Fistel, Stenose)
Klassifikation nach Hansen/Stock oder Hinchey.
Leitsymptome
Klassische Trias:
- **linksseitige Unterbauchschmerzen** (daher 'linksseitige Appendizitis')
- Fieber
- lokaler Druckschmerz mit Resistenz im linken Unterbauch
Weitere Symptome:
- Stuhlunregelmäßigkeiten (Obstipation häufiger als Diarrhoe)
- Meteorismus
- Übelkeit
- Appetitlosigkeit
- Dysurie (bei Reizung der Blase)
Bei Komplikationen:
- **Peritonitis-Zeichen** (Abwehrspannung, Loslassschmerz) bei Perforation
- Schüttelfrost und Sepsis-Zeichen bei Abszess
- kolovesikale Fistel mit Pneumaturie und Fäkalurie
Diagnostik
Die **Computertomographie des Abdomens** mit Kontrastmittel ist der Goldstandard und zeigt Entzündungszeichen (Wandverdickung, Fettgewebsstränge), Komplikationen (freie Luft bei Perforation, Abszesse).
Sonographie als initiale Bildgebung möglich (zeigt wandverdickte Divertikel und perikolisches Fettgewebe), aber untersucher- und adipositasabhängig.
Labor:
- Leukozytose mit Linksverschiebung
- erhöhtes CRP
- gelegentlich leichte Anämie
In der akuten Phase **KEINE Koloskopie** (Perforationsgefahr!), sondern erst nach Abklingen der Entzündung nach 6-8 Wochen zum Ausschluss eines Kolonkarzinoms.
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