Adnexitis und Tuboovarialabszess (Pelvic Inflammatory Disease)

Gynäkologie · Gynäkologische Infektiologie · Wissen für die Kenntnisprüfung

Definition

Die Pelvic Inflammatory Disease (PID) bezeichnet ein Spektrum entzündlicher Erkrankungen des oberen weiblichen Genitaltrakts, das Endometritis, Salpingitis, Oophoritis, Tuboovarialabszess (TOA) und Peritonitis pelvina umfasst. Die Adnexitis im engeren Sinne beschreibt die Entzündung von Tube und Ovar (Salpingo-Oophoritis). Der Tuboovarialabszess stellt die schwerste Verlaufsform dar und ist definiert als abszedierende Einschmelzung von Tube und/oder Ovar mit Ausbildung einer abgekapselten Eiteransammlung. Die Erkrankung betrifft ausschließlich Frauen im reproduktionsfähigen Alter und ist eine der häufigsten Ursachen für Unterbauchschmerzen in der gynäkologischen Notaufnahme. Eine verzögerte oder inadäquate Therapie führt zu dauerhaften Tubarschäden mit konsekutiver Infertilität, ektoper Schwangerschaft und chronischem Beckenschmerz.

Merke: PID = Entzündung des oberen Genitaltrakts (Endometritis, Salpingitis, TOA). Frühzeitige Therapie verhindert Tubarschäden und Infertilität.

Epidemiologie

In Deutschland erkranken schätzungsweise 100.000–200.000 Frauen pro Jahr an einer PID; belastbare bundesweite Inzidenzdaten fehlen aufgrund fehlender Meldepflicht. Der Altersgipfel liegt zwischen 15 und 25 Jahren, mit einem zweiten Gipfel bei Frauen mit Intrauterinpessar (IUP). Sexuell aktive Frauen unter 25 Jahren tragen das höchste Risiko, insbesondere bei häufig wechselnden Sexualpartnern, vorangegangener PID oder fehlender Barrierekontrazeption. Das Risiko steigt nach intrauterinen Eingriffen (Abrasio, Hysteroskopie, IUP-Einlage) erheblich an. Etwa 10–15 % der hospitalisierten PID-Fälle entwickeln einen Tuboovarialabszess. In der Schwangerschaft ist eine PID selten, da der Schleimpfropf des Zervikalkanals eine aufsteigende Infektion weitgehend verhindert.

Ätiologie

Die PID ist in der Mehrzahl der Fälle eine polymikrobielle Infektion. Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoeae gelten als die häufigsten Primärerreger und werden in 30–50 % der Fälle nachgewiesen, wobei Chlamydien in Deutschland überwiegen. Anaerobe Keime (Bacteroides spp., Peptostreptococcus spp.) sowie fakultativ aerobe Erreger (Escherichia coli, Streptococcus agalactiae, Haemophilus influenzae) sind regelmäßig als Koerreger beteiligt und dominieren bei schweren Verläufen und beim TOA. Mycoplasma genitalium gewinnt als Erreger zunehmend an Bedeutung und ist mit schwereren Verläufen assoziiert. Gardnerella vaginalis und andere Erreger der bakteriellen Vaginose begünstigen die aufsteigende Infektion durch Störung der vaginalen Mikrobiota. Bei immunsupprimierten Patientinnen oder nach Voroperationen können auch Actinomyces israelii (insbesondere bei IUP-Trägerinnen) und Mykobakterien relevant sein.

Prüfungsfokus

In der Kenntnisprüfung wird die PID/Adnexitis regelmäßig als klinischer Fall präsentiert: Eine junge Frau mit Unterbauchschmerzen, Fieber und vaginalem Ausfluss. Die Prüfungskommission erwartet die sofortige Nennung des β-HCG-Tests zum Ausschluss einer Eileiterschwangerschaft sowie die klinische Trias (Unterbauchschmerz, Zervixbewegungsschmerz, Adnexdruckschmerz). Häufige Fallstricke sind das Vergessen des Partnermanagements, die fehlende Anaerobiererabdeckung im Therapieschema und die Verwechslung mit Appendizitis. Die Indikation zur stationären Aufnahme (TOA, Schwangerschaft, Therapieversagen, Sepsis) wird regelmäßig abgefragt. Beim TOA wird erwartet, dass Kandidaten die Eskalationsstrategie kennen: primär i.v.-Antibiotika, dann Drainage, dann OP. Das Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom als Komplikation mit rechtsseitigem Oberbauchschmerz ist ein klassischer Prüfungsinhalt.

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