Anorexia nervosa und Bulimia nervosa
Prüfungsfokus
In der Kenntnisprüfung werden Essstörungen häufig als Fallpräsentationen mit einer jungen Frau (16–22 Jahre) vorgestellt, die mit Gewichtsverlust, Amenorrhö oder Elektrolytstörungen auffällt. Typische Szenarien: (1) 17-jährige Gymnasiastin, BMI 15,5, Amenorrhö seit 6 Monaten, leugnet Gewichtsphobie — Prüfer erwartet: aktives Erfragen der Körperschemastörung, SCOFF-Screening, Labor (K⁺, EKG, TSH, β-hCG), Diagnose F50.0, stationäre Aufnahme erwägen. (2) 24-jährige Frau, Normalgewicht, berichtet von Essanfällen 3×/Woche, heimlichem Erbrechen, Zahnschmelzerosionen — Prüfer erwartet: Russell-Zeichen, Parotisschwellung, Hypokaliämie, Diagnose F50.2, Fluoxetin 60 mg + KVT.
Häufige Fallstricke in der KP: Suizidalität bei AN nicht aktiv erfragen (Mortalität ~10 %, davon 20–30 % durch Suizid); Refeeding-Syndrom nicht kennen (Phosphat vor Kalorienzufuhr!); Fluoxetin-Dosis bei BN zu niedrig ansetzen (60 mg, nicht 20 mg); Bupropion bei BN verordnen (kontraindiziert wegen Krampfanfallrisiko); somatische DD (Hyperthyreose, Morbus Addison, Zöliakie) nicht ausschließen; Zwangsernährung ohne Kenntnis der Rechtsgrundlage (§ 1832 BGB + richterliche Genehmigung) ansprechen; Körperschemastörung als ich-synton bei AN nicht erkennen (Patient leidet nicht unter der Fehlwahrnehmung, sondern verteidigt sie).
Prüfer fragen gezielt nach: ICD-10-Codes (F50.0 vs F50.2), BMI-Grenzwerten, Refeeding-Protokoll, Fluoxetin-Dosis bei BN, Rechtsgrundlage für Zwangsernährung und dem Unterschied zwischen PsychKG (öffentlich-rechtlich, akute Gefahr) und § 1832 BGB (privatrechtlich, im Rahmen Betreuung).
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