Aortenklappeninsuffizienz

Innere Medizin · Kardiologie · Wissen für die Kenntnisprüfung

Definition

Die Aortenklappeninsuffizienz ist die Schlussunfähigkeit der Aortenklappe mit diastolischem Rückfluss von Blut aus der Aorta in den linken Ventrikel. Ursächlich ist entweder eine Erkrankung der Klappensegel selbst oder eine Erweiterung der Aortenwurzel beziehungsweise der Aorta ascendens, die die Segel auseinanderzieht — bei jüngeren Patienten ist die zweite Form mindestens ebenso häufig, weshalb jede Aortenklappeninsuffizienz die Beurteilung der Aorta einschließen muss. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen der chronischen Form, die über Jahrzehnte kompensiert bleibt, und der akuten Form, die ohne Adaptationszeit unmittelbar zum Lungenödem und kardiogenen Schock führt.

Merke: Zwei Mechanismen: kranke Segel oder weite Aortenwurzel. Wer die Aorta nicht mitbeurteilt, übersieht die halbe Diagnose.

Epidemiologie

Eine leichte Aortenklappeninsuffizienz ist ein häufiger echokardiographischer Zufallsbefund und findet sich bei etwa 10 % der Erwachsenen; eine mittelschwere bis schwere Form liegt bei unter 1 % vor. Die Prävalenz steigt mit dem Lebensalter. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Die bikuspide Aortenklappe, die bei etwa 1–2 % der Bevölkerung vorliegt, ist die häufigste angeborene Herzfehlbildung und eine wichtige Ursache sowohl der Insuffizienz als auch der Stenose bei jüngeren Patienten; sie ist zudem mit Aortopathie und Aneurysmabildung assoziiert. Die rheumatische Genese ist in Deutschland selten geworden, weltweit aber weiterhin bedeutsam.

Ätiologie

Die chronische Aortenklappeninsuffizienz entsteht durch Erkrankungen der Klappe selbst (bikuspide Klappe, degenerative Verkalkung, rheumatisches Fieber, ausgeheilte Endokarditis) oder durch Erkrankungen der Aortenwurzel (Aortenwurzelektasie bei arterieller Hypertonie, Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom, bikuspide Aortopathie, Aortitis bei Riesenzellarteriitis, Takayasu-Arteriitis oder Lues, Spondylitis ankylosans). Die akute Aortenklappeninsuffizienz ist immer ein Notfall und hat drei Hauptursachen: die infektiöse Endokarditis mit Segelperforation, die Typ-A-Aortendissektion mit Ausriss der Klappenaufhängung und das Thoraxtrauma. Auch ein Prothesenversagen oder eine Komplikation nach kathetergestütztem Aortenklappenersatz kann eine akute Insuffizienz verursachen.

Prüfungsfokus

Die Aortenklappeninsuffizienz ist ein dankbares Prüfungsthema, weil sie mit ihren Pulszeichen körperliche Untersuchung im Reinformat abfragt. Fast immer verlangt werden das Geräusch mit korrekter Auskultationsposition und mindestens drei bis vier periphere Zeichen. Zweiter Schwerpunkt ist die Abgrenzung akut versus chronisch: Beim akuten Bild fehlen die klassischen Zeichen, der Patient ist hypoton und tachykard, und die Frage nach der Ursache (Dissektion, Endokarditis) ist die eigentliche Prüfungsfrage. Erwartet wird ferner die Kenntnis der Operationsindikationen einschließlich der Aortendurchmesser und die Erklärung, warum Angina pectoris ohne Koronarstenose auftreten kann. Ein häufiger Fallstrick ist die Beta-Blocker-Frage: Bei reiner chronischer Aortenklappeninsuffizienz ist die Bradykardisierung ungünstig, beim Marfan-Syndrom mit Aortopathie jedoch erwünscht.

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