Asthma bronchiale im Kindesalter
Definition
Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die durch eine variable, meist reversible Atemwegsobstruktion, bronchiale Hyperreagibilität und strukturelle Umbauprozesse (Remodeling) gekennzeichnet ist. Im Kindesalter stellt es die häufigste chronische Erkrankung dar. Pathognomonisch ist das Auftreten von Episoden mit Dyspnoe, Giemen, Brustenge und Husten, die spontan oder unter Therapie reversibel sind. Die Erkrankung umfasst ein breites klinisches Spektrum von intermittierendem mildem Verlauf bis hin zum lebensbedrohlichen Status asthmaticus. Nach der AWMF-S3-Leitlinie »Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma« (NVL Asthma, zuletzt aktualisiert 2020) sowie der pädiatrisch-spezifischen Leitlinie der AWMF (AWMF-Reg.-Nr. 053-001) wird Asthma als heterogenes Syndrom mit verschiedenen Phänotypen verstanden.
Epidemiologie
Asthma bronchiale betrifft in Deutschland etwa 10 % aller Kinder und Jugendlichen, wobei die Prävalenz je nach Altersgruppe und Diagnosekriterien zwischen 5 und 15 % schwankt. Im Vorschulalter überwiegen Knaben mit einem Verhältnis von etwa 2:1, was sich in der Pubertät angleicht und bei Mädchen sogar umkehren kann. Der erste Manifestationsgipfel liegt im Vorschulalter (2–5 Jahre), ein zweiter Gipfel findet sich im Schulalter. Etwa 50 % aller Kinder mit rezidivierendem Giemen im Vorschulalter entwickeln kein persistierendes Asthma. In Deutschland zeigen Daten der KiGGS-Studie (Robert Koch-Institut) eine Lebenszeitprävalenz von ca. 4,7 % für eine ärztliche Asthmadiagnose bei Kindern und Jugendlichen (0–17 Jahre). Atopische Erkrankungen (Rhinitis, Ekzem) treten gehäuft komorbide auf.
Ätiologie
Die Ätiologie des kindlichen Asthmas ist multifaktoriell mit genetischer Prädisposition und Umweltfaktoren als Hauptdeterminanten. Atopie (familiäre Belastung, erhöhtes Gesamt-IgE, positive Sensibilisierung gegen Inhalationsallergene) ist der stärkste Einzelrisikofaktor; bei atopischem Asthma finden sich häufig Sensibilisierungen gegen Hausstaubmilben, Tierepithelien, Pollen und Schimmelpilze. Nicht-atopisches Asthma tritt besonders im Vorschulalter auf und ist häufig mit viralen Atemwegsinfektionen (Rhinoviren, RSV) assoziiert. Tabakrauchexposition (prä- und postnatal) erhöht das Risiko signifikant und verschlechtert den Verlauf. Weitere Risikofaktoren umfassen Frühgeburtlichkeit, niedriges Geburtsgewicht, Adipositas, Luftverschmutzung (NO2, Feinstaub) sowie mangelnde mikrobielle Exposition in der frühen Kindheit (Hygiene-Hypothese). Berufs- und Schimmelpilzexposition spielen im Kindesalter eine untergeordnete Rolle.
Prüfungsfokus
In der Kenntnisprüfung wird Asthma bronchiale im Kindesalter regelmäßig als Fallvorstellung geprüft, häufig mit einem Kind, das mit akutem Giemen, Dyspnoe und Husten vorgestellt wird. Prüfer erwarten die sichere Abgrenzung von Differentialdiagnosen (insbesondere Fremdkörperaspiration, Bronchiolitis, Mukoviszidose), die korrekte Stufentherapie mit Dosierungen und die Kenntnis des Akutmanagements einschließlich Status asthmaticus. Häufige Fallstricke sind: Verwechslung von SABA und LABA, fehlende Kenntnis der Altersgrenzen für LABA-Einsatz, Unterschätzung der Schwere eines Anfalls (SpO2-Grenzwerte) und Unkenntnis der FeNO-Interpretation. Die Prüfungskommission fragt gezielt nach Grenzwerten (FEV1-Reversibilität, PEF-Variabilität, FeNO) und nach der Indikation für Biologika. Kenntnisse zur spezifischen Immuntherapie und zur Asthmaschulung werden erwartet.
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