Diskusprolaps
Definition
Der Diskusprolaps bezeichnet den vollständigen Austritt von Nucleus-pulposus-Gewebe durch einen Riss im Anulus fibrosus der Bandscheibe mit Verlagerung in den Spinalkanal oder das Neuroforamen. Im Gegensatz zur Protrusion bleibt bei der Protrusion der äußere Faserring intakt, während beim Prolaps Bandscheibengewebe in den Epiduralraum vorfällt und dort neurale Strukturen komprimieren kann. Die häufigste Lokalisation ist die Lendenwirbelsäule, gefolgt von der Halswirbelsäule.
Epidemiologie
Die Lebenszeitprävalenz für symptomatische Bandscheibenvorfälle liegt bei etwa 1-5% der Bevölkerung. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen im Verhältnis von etwa 1,5:1. Über 90% der lumbalen Diskusprolapsen betreffen die Segmente L4/L5 und L5/S1.
Ätiologie
Die Hauptursache ist die altersbedingte Degeneration der Bandscheibe mit Verlust der Wasserbindungskapazität und Elastizität des Nucleus pulposus sowie Einrissen im Anulus fibrosus. Begünstigende Faktoren sind chronische mechanische Überlastung, Fehlhaltungen, Übergewicht, sitzende Tätigkeiten und schweres Heben. Genetische Faktoren spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, da familiäre Häufungen beobachtet werden. Akute Traumata können einen vorgeschädigten Diskus zum Prolabieren bringen.
Prüfungsfokus
In der Kenntnisprüfung werden besonders häufig die Zuordnung von Wurzelsyndromen zu klinischen Befunden geprüft. Die Kenntnis der Kennmuskeln, Dermatome und zugehörigen Reflexe für die Segmente L3-S1 und C5-C8 ist essentiell. Das Erkennen des Kauda-equina-Syndroms als Notfall und die Differenzierung zwischen konservativer und operativer Therapieindikation sind klassische Prüfungsfragen. Die Interpretation klinischer Tests wie Lasègue-Zeichen muss sicher beherrscht werden.
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