Eklampsie (Krampfanfall in der Schwangerschaft)

Gynäkologie · Schwangerschaft Risiken · Wissen für die Kenntnisprüfung

Definition

Die Eklampsie ist definiert als das Auftreten eines oder mehrerer tonisch-klonischer Krampfanfälle bei einer Schwangeren oder Wöchnerin, die nicht durch eine vorbestehende neurologische Erkrankung erklärbar sind, und die in der Regel auf dem Boden einer Präeklampsie entstehen. Sie zählt zu den hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen und stellt einen geburtshilflichen Notfall mit potenziell lebensbedrohlichem Verlauf dar. Die Eklampsie kann antepartal (vor der Geburt), intrapartal (unter der Geburt) oder postpartal (bis zu 6 Wochen nach der Geburt) auftreten. Etwa 25–30 % aller Eklampsien manifestieren sich postpartal, was die Diagnose erschwert. Die Erkrankung ist klinisch eng mit der Präeklampsie verknüpft, kann jedoch in seltenen Fällen auch ohne vorherige Hypertonie oder Proteinurie auftreten. Die aktuelle S2k-Leitlinie »Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft« der DGGG (2019) bildet die Grundlage der deutschen Versorgungsstandards.

Merke: Eklampsie = tonisch-klonischer Krampfanfall in Schwangerschaft/Wochenbett ohne andere neurologische Ursache — geburtshilflicher Notfall, auch ohne vorherige Hypertonie möglich.

Epidemiologie

Die Inzidenz der Eklampsie liegt in Industrieländern bei etwa 1–5 pro 10.000 Geburten, in Deutschland bei ca. 2–3 pro 10.000 Geburten. Weltweit ist die Eklampsie für etwa 10–15 % der direkten mütterlichen Todesfälle verantwortlich. Erstgebärende sind deutlich häufiger betroffen als Mehrgebärende. Weitere Risikofaktoren sind Mehrlingsschwangerschaften, vorbestehende Hypertonie, Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, Adipositas sowie ein Alter unter 20 oder über 35 Jahren. In Deutschland ist die mütterliche Mortalität durch verbesserte Perinatalversorgung deutlich gesunken, liegt aber bei schwerer Eklampsie mit HELLP-Syndrom noch bei 1–3 %. Die perinatale Mortalität beträgt je nach Schweregrad und Gestationsalter 5–10 %.

Ätiologie

Die Eklampsie entsteht fast immer auf dem Boden einer Präeklampsie, deren Ursache eine gestörte Trophoblasteninvasion mit konsekutiver plazentarer Ischämie ist. Die unvollständige Umwandlung der Spiralarterien führt zu einer relativen Plazentainsuffizienz und zur Freisetzung vasoaktiver Substanzen in den mütterlichen Kreislauf. Genetische Prädisposition, immunologische Faktoren (mangelnde mütterliche Toleranz gegenüber paternalen Antigenen) sowie vorbestehende vaskuläre Erkrankungen (Hypertonie, Diabetes, Antiphospholipid-Syndrom) begünstigen die Entstehung. In seltenen Fällen (ca. 20 %) tritt die Eklampsie ohne vorherige Hypertonie oder Proteinurie auf, was die Diagnose erschwert. Metabolische Störungen wie Hypomagnesiämie und zerebrale Vasokonstriktion spielen bei der Auslösung des Krampfanfalls eine entscheidende Rolle. Das Antiphospholipid-Syndrom ist als sekundäre Ursache besonders bei rezidivierenden Fällen zu bedenken.

Prüfungsfokus

Die Eklampsie ist ein Kernthema der Kenntnisprüfung im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe. Prüfer testen regelmäßig das Erkennen der klinischen Situation (Krampfanfall in der Schwangerschaft), die korrekte Erstmaßnahme (Magnesiumsulfat), die Abgrenzung von Epilepsie und HELLP-Syndrom sowie das Wissen um die einzige kausale Therapie (Entbindung). Typische Fallpräsentationen zeigen eine Erstgebärende im 3. Trimenon mit Kopfschmerzen, Sehstörungen und Blutdruckwerten von 170/110 mmHg, die einen Krampfanfall erleidet. Häufige Fallstricke sind: Verwechslung von Magnesiumsulfat-Dosierung und Antidot, Unkenntnis der postpartalen Eklampsie, Fehlen von Hypertonie/Proteinurie in 20 % der Fälle sowie die Verwechslung von Labetalol und Nifedipin-Indikationen. Die Überwachungsparameter unter Magnesiumtherapie (PSR, Atemfrequenz, Diurese) sind prüfungsrelevant. Das HELLP-Syndrom als Komplikation und seine Diagnosekriterien werden häufig kombiniert abgefragt.

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