Endometriose

Gynäkologie · Endokrine Gynäkologie · Wissen für die Kenntnisprüfung

Definition

Endometriose bezeichnet das Vorkommen von endometriumähnlichem Gewebe (Drüsen und Stroma) außerhalb der Gebärmutterhöhle, das unter dem Einfluss ovarieller Hormone zyklische Proliferations- und Blutungsreaktionen zeigt. Die Erkrankung ist östrogenabhängig und chronisch-entzündlich. Klinisch manifestiert sie sich als Trias aus Dysmenorrhoe, Dyspareunie und Infertilität, wobei die Ausprägung nicht mit dem anatomischen Ausmaß korreliert. Die Adenomyosis uteri (früher: Endometriosis interna) bezeichnet das Einwachsen von Endometriumgewebe in das Myometrium und wird heute als eigenständige Entität betrachtet. Die Diagnose wird histologisch gesichert, klinisch jedoch häufig verzögert gestellt — die mittlere Diagnoseverzögerung beträgt in Deutschland 7–10 Jahre.

Merke: Endometriose = östrogenabhängiges, chronisch-entzündliches Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle; Leitsymptome: Dysmenorrhoe, Dyspareunie, Infertilität.

Epidemiologie

Endometriose betrifft schätzungsweise 6–10 % aller Frauen im reproduktiven Alter; in Deutschland leben damit etwa 2 Millionen Betroffene. Bei Frauen mit Dysmenorrhoe liegt die Prävalenz bei bis zu 40–60 %, bei unerfülltem Kinderwunsch bei 20–50 %. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 25. und 35. Lebensjahr, Erstmanifestation kann jedoch bereits in der Adoleszenz auftreten. Nach der Menopause kommt es in der Regel zur Regression, sofern keine exogene Östrogensubstitution erfolgt. Eine familiäre Häufung ist bekannt: Erstgradig Verwandte haben ein 5- bis 7-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Die Erkrankung verursacht erhebliche direkte und indirekte Kosten durch Arbeitsunfähigkeit und wiederholte operative Eingriffe.

Ätiologie

Die Ätiologie der Endometriose ist multifaktoriell und nicht abschließend geklärt. Die Implantationstheorie nach Sampson (retrograde Menstruation mit Implantation lebensfähiger Endometriumzellen im Peritoneum) gilt als wichtigste Entstehungshypothese, erklärt jedoch nicht alle Lokalisationen. Die coelomare Metaplasie-Theorie postuliert eine Umwandlung von Peritonealzellen in endometriumähnliches Gewebe unter hormonellen oder entzündlichen Reizen. Lymphogene und hämatogene Dissemination erklären extrapelvine Manifestationen (Lunge, Pleura, Nabel). Genetische Faktoren spielen eine Rolle: Mehrere Genloci (z. B. auf Chromosom 7p13–15) sind mit erhöhtem Risiko assoziiert. Immunologische Dysregulation (verminderte NK-Zell-Aktivität, erhöhte Makrophagenaktivität im Peritonealfluid) begünstigt die Implantation und das Überleben ektoper Endometriumzellen. Östrogenabhängigkeit ist pathogenetisch zentral: Endometrioseherde exprimieren Aromatase und produzieren lokal Östrogen, was einen autokrinen Verstärkungskreislauf erzeugt.

Prüfungsfokus

In der Kenntnisprüfung wird Endometriose häufig als Fallpräsentation einer jungen Frau mit progredienter Dysmenorrhoe, Dyspareunie und unerfülltem Kinderwunsch präsentiert. Prüfer fragen gezielt nach dem diagnostischen Goldstandard (Laparoskopie + Histologie), der Erstlinientherapie (Dienogest 2 mg/d), der Indikation zur Add-back-Therapie bei GnRH-Analoga sowie nach der Klassifikation (rASRM-Stadien). Typische Fallstricke sind die Verwechslung mit primärer Dysmenorrhoe (fehlende Progredienz), die Fehleinschätzung von CA-125 als Screeningparameter und das Vergessen der Add-back-Therapie bei GnRH-Analoga. Die Unterscheidung zwischen Endometriose und Adenomyosis uteri sowie die Kenntnis der ENZIAN-Klassifikation für TIE werden zunehmend geprüft. Prüfer erwarten auch Kenntnisse zur Fertilitätsberatung: Wann IVF, wann operative Sanierung zuerst?

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