Akute Epiglottitis
Definition
Die akute Epiglottitis ist eine rasch progrediente, bakterielle Entzündung der Epiglottis und der supraglottischen Strukturen (Aryepiglottische Falten, Aryknorpel, Valleculae), die durch massive ödematöse Schwellung zu einer lebensbedrohlichen Verlegung der oberen Atemwege führen kann. Sie stellt einen pädiatrischen Notfall dar, der ohne sofortige Intervention innerhalb von Stunden zum Erstickungstod führen kann. Klassischerweise betrifft sie Kinder im Vorschulalter (2–7 Jahre), tritt jedoch seit Einführung der Hib-Impfung zunehmend auch bei Erwachsenen auf. Die Erkrankung unterscheidet sich pathophysiologisch und klinisch grundlegend vom viralen Pseudokrupp und erfordert ein völlig anderes Management.
Epidemiologie
Vor Einführung der Haemophilus-influenzae-Typ-b-(Hib-)Impfung in Deutschland (1990) war die Epiglottitis eine häufige pädiatrische Erkrankung mit einer Inzidenz von ca. 5–10 Fällen pro 100.000 Kinder pro Jahr. Nach flächendeckender Impfung sank die Inzidenz um über 95 %. Heute treten in Deutschland jährlich nur noch wenige Dutzend Fälle bei Kindern auf; belastbare aktuelle Inzidenzzahlen für Deutschland liegen nicht vor. Der Altersgipfel bei Kindern lag klassischerweise zwischen dem 2. und 7. Lebensjahr; bei Erwachsenen liegt er zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Männer sind in allen Altersgruppen häufiger betroffen als Frauen (Verhältnis ca. 2:1). Saisonale Häufung im Herbst und Winter ist beschrieben, aber weniger ausgeprägt als beim Pseudokrupp. Ungeimpfte Kinder und Immunsupprimierte stellen heute die Hauptrisikogruppe dar.
Ätiologie
Haemophilus influenzae Typ b (Hib) war bis zur Impfära der mit Abstand häufigste Erreger (>90 % der pädiatrischen Fälle) und bleibt bei ungeimpften Kindern der Haupterreger. In der Post-Impf-Ära dominieren bei Kindern und Erwachsenen andere Erreger: Streptococcus pyogenes (Gruppe A), Streptococcus pneumoniae, Staphylococcus aureus (einschließlich MRSA) und Streptococcus agalactiae. Seltenere bakterielle Erreger umfassen Klebsiella pneumoniae, Pseudomonas aeruginosa (bei Immunsupprimierten) und Neisseria meningitidis. Virale Ursachen (Herpes-simplex-Virus, Varizella-zoster-Virus, Influenzavirus) sind selten und betreffen überwiegend Immungeschwächte. Nicht-infektiöse Ursachen wie thermische Verletzungen (Inhalation heißer Dämpfe), chemische Noxen oder angioneurotisches Ödem können ein klinisch ähnliches Bild erzeugen und müssen differenzialdiagnostisch bedacht werden.
Prüfungsfokus
Die akute Epiglottitis ist ein klassisches Prüfungsthema in der Kenntnisprüfung, da sie klinisches Urteilsvermögen, Notfallmanagement und Differenzialdiagnostik vereint. Prüfer präsentieren typischerweise einen Fall mit abruptem Beginn, hohem Fieber, Drooling und Tripod-Position und fragen nach dem sofortigen Handlungsbedarf. Häufige Fallstricke sind: Verwechslung mit Pseudokrupp, Versuch einer Racheninspektion mit Spatel, Vergessen der Intubationsbereitschaft vor diagnostischen Maßnahmen. Die Antibiotikawahl (Ceftriaxon), die Kontraindikation der Racheninspektion und die Rifampicin-Prophylaxe bei Hib-Kontakten sind prüfungsrelevante Detailfragen. Die Impfanamnese (Hib-Impfstatus) als Risikofaktor und die Verschiebung des Erregerspektrums durch die Impfung werden häufig abgefragt.
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