Hüftgelenksdysplasie

Chirurgie · Unfallchirurgie · Wissen für die Kenntnisprüfung

Definition

Die Hüftgelenksdysplasie bezeichnet eine angeborene oder erworbene Fehlentwicklung der Hüftgelenkspfanne (Acetabulum), bei der der Hüftkopf unzureichend überdacht wird. Diese Reifungsstörung führt zu einer Instabilität des Hüftgelenks und kann unbehandelt zur Hüftgelenksluxation sowie zur frühzeitigen Koxarthrose führen. Die Erkrankung wird auch als Hüftdysplasie oder kongenitale Hüftgelenksdysplasie (developmental dysplasia of the hip) bezeichnet.

Merke: Die Hüftdysplasie ist die häufigste angeborene Skelettfehlbildung und betrifft vorwiegend Mädchen. Frühzeitige Diagnose und Therapie sind entscheidend für die Prognose.

Epidemiologie

Die Inzidenz der Hüftgelenksdysplasie liegt in Deutschland bei etwa 2-4% aller Neugeborenen, wobei schwere Formen bei etwa 0,5-1% auftreten. Mädchen sind etwa 5-7 mal häufiger betroffen als Jungen, was auf den Einfluss mütterlicher Hormone zurückgeführt wird. Die linke Hüfte ist aufgrund der intrauterinen Lage häufiger betroffen als die rechte, ein beidseitiger Befall liegt in etwa 20% der Fälle vor.

Ätiologie

Die Ätiologie der Hüftgelenksdysplasie ist multifaktoriell und umfasst genetische sowie mechanische Faktoren. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen familiäre Belastung, Beckenendlage, Erstgebärende, Oligohydramnion und weibliches Geschlecht. Intrauterine Enge und hormonelle Einflüsse (Relaxin) führen zu einer Bandlaxität und verzögerten Verknöcherung des Pfannendachs. Auch postpartale Faktoren wie falsches Wickeln mit gestreckten und adduzierten Beinen können die Dysplasie verschlechtern.

Prüfungsfokus

In der Kenntnisprüfung werden besonders häufig die Klassifikation nach Graf mit den entsprechenden Winkelwerten sowie das diagnostische und therapeutische Vorgehen im Säuglingsalter gefragt. Typische Prüfungsfragen betreffen die Risikofaktoren, die klinischen Zeichen (Ortolani, Barlow) und die Indikationen zur Spreizbehandlung. Wichtig ist auch das Wissen um die Komplikation der Hüftkopfnekrose bei zu forcierter Spreizung sowie die Differentialdiagnose zur septischen Koxitis.

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