Invagination und Volvulus im Kindesalter
Definition
Die Invagination (Intussuszeption) bezeichnet das Einstülpen eines proximalen Darmabschnitts (Intussuszeptum) in den distalen Abschnitt (Intussuszipiens), was zu einem mechanischen Ileus mit vaskulärer Kompromittierung führt. Der Volvulus beschreibt die axiale Torsion eines Darmsegments um seine Mesenterialwurzel, ebenfalls mit der Folge eines Strangulationsileus. Beide Erkrankungen stellen kinderchirurgische Notfälle dar, die unbehandelt innerhalb von Stunden zu Darmnekrose, Perforation und Peritonitis führen können. Die Invagination ist der häufigste Grund für einen mechanischen Ileus im Säuglings- und Kleinkindalter, während der Volvulus im Neugeborenenalter durch eine Malrotation bedingt sein kann.
Epidemiologie
Die Invagination tritt mit einer Inzidenz von etwa 1–4 pro 1.000 Lebendgeburten auf, wobei der Altersgipfel zwischen dem 3. und 12. Lebensmonat liegt; 80 % der Fälle ereignen sich im ersten Lebensjahr. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen (Verhältnis ca. 2:1). Ein saisonaler Gipfel im Frühjahr und Herbst korreliert mit dem gehäuften Auftreten von Adenovirus- und Rotavirus-Infektionen. Der Volvulus durch Malrotation manifestiert sich in 75–80 % der Fälle im ersten Lebensmonat, kann aber auch im Erwachsenenalter erstmals symptomatisch werden. Der Sigma-Volvulus, im Erwachsenenalter häufig, ist im Kindesalter eine Rarität. In Deutschland liegen keine gesondert publizierten bevölkerungsweiten Inzidenzdaten für den pädiatrischen Volvulus vor.
Ätiologie
Bei der Invagination ist in 75–90 % der Fälle im Säuglings- und Kleinkindalter keine anatomische Leitstruktur (Lead Point) nachweisbar — man spricht von der idiopathischen Invagination, die durch lymphatische Hyperplasie der Peyer-Plaques nach viralen Infektionen (Adenovirus, Rotavirus) entsteht. Bei Kindern über 2 Jahren und bei Erwachsenen findet sich häufiger ein pathologischer Lead Point: Meckel-Divertikel, intestinale Polypen (Peutz-Jeghers-Syndrom), Lymphome, Duplikationszysten oder Hämatome (z. B. bei Purpura Schönlein-Henoch). Der Volvulus im Neugeborenen- und Säuglingsalter ist nahezu immer Folge einer Malrotation des Darms (Non-Rotation oder Malrotation mit Ladd-Bändern), bei der die Mesenterialwurzel schmal und damit torsionsanfällig ist. Beim älteren Kind und Jugendlichen kann ein Volvulus auch durch Adhäsionen, Meckel-Divertikel oder einen Sigma-Volvulus bei chronischer Obstipation entstehen.
Prüfungsfokus
In der Kenntnisprüfung werden Invagination und Volvulus regelmäßig als Fallpräsentationen mit einem Säugling oder Neugeborenen mit akutem Abdomen gestellt. Typische Prüfungsfallen sind: Lethargie als einziges Symptom der Invagination (ohne klassische Schmerzattacken), galliges Erbrechen beim Neugeborenen als Notfallsignal für Volvulus, und die Frage nach der korrekten Reihenfolge der diagnostischen und therapeutischen Schritte. Prüfer fragen gezielt nach dem Unterschied zwischen pneumatischer und hydrostatischer Reposition, den Kontraindikationen für die konservative Therapie und den Schritten der Ladd-Operation. Die Kenntnis der Sonographiebefunde (Target-Zeichen, Whirlpool-Zeichen) und der Differentialdiagnosen (insbesondere Duodenalatresie vs. Volvulus beim Neugeborenen) ist prüfungsrelevant. Häufiger Fallstrick: Verwechslung von Invagination (Einstülpung) und Volvulus (Torsion) in der Definition.
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