Ischialgie

Neurologie · Wirbelsäule · Wissen für die Kenntnisprüfung

Definition

Die Ischialgie bezeichnet einen Schmerzzustand, der durch Reizung oder Schädigung des Nervus ischiadicus oder seiner Wurzeln (L4-S3) entsteht und charakteristisch in das Versorgungsgebiet des Nerven ausstrahlt. Der Schmerz projiziert sich typischerweise von der Lendenwirbelsäule über das Gesäß entlang der Oberschenkelrückseite bis in den Unterschenkel und Fuß. Die Ischialgie ist ein Symptom und keine eigenständige Erkrankung, wobei die häufigste Ursache ein lumbaler Bandscheibenvorfall darstellt.

Merke: Ischialgie ist ein Symptomkomplex mit radikulärer Schmerzausstrahlung im Versorgungsgebiet L4-S3, nicht identisch mit unspezifischem Rückenschmerz.

Epidemiologie

Die Lebenszeitprävalenz der Ischialgie beträgt etwa 13-40% in der Allgemeinbevölkerung. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Etwa 1-3% aller Rückenschmerzpatienten weisen eine echte Radikulopathie auf.

Ätiologie

Die häufigste Ursache der Ischialgie ist der lumbale Bandscheibenvorfall, der in etwa 90% der Fälle die Segmente L4/L5 oder L5/S1 betrifft. Weitere Ursachen umfassen degenerative Veränderungen wie Spondylose, Spinalkanalstenose, Spondylolisthesis und knöcherne Einengungen der Neuroforamina. Seltenere Ursachen sind Tumoren, Infektionen wie der epidurale Abszess, das Piriformis-Syndrom und die diabetische Radikulopathie. Risikofaktoren sind schwere körperliche Arbeit, häufiges Heben, Vibrationsexposition, Adipositas und Rauchen.

Prüfungsfokus

In der Kenntnisprüfung wird besonders die segmentale Zuordnung der Radikulopathie geprüft, also die Kenntnis von Kennmuskeln, Reflexen und Dermatomen für L4, L5 und S1. Die Erkennung von Alarmsymptomen des Kauda-Syndroms und die Einleitung entsprechender Notfallmaßnahmen sind hochrelevant. Typische Prüfungsfragen betreffen die Differenzierung zwischen konservativer und operativer Therapieindikation sowie die korrekte Durchführung und Interpretation des Lasègue-Tests. Die Abgrenzung zur Spinalkanalstenose und peripheren Durchblutungsstörung wird häufig in Fallvignetten geprüft.

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