Mammakarzinom – gynäkologische Perspektive

Gynäkologie · Gynäkologische Onkologie · Wissen für die Kenntnisprüfung

Definition

Das Mammakarzinom ist ein maligner epithelialer Tumor der Brustdrüse, der überwiegend aus den Drüsenläppchen (lobuläres Karzinom) oder den Milchgängen (duktales Karzinom) hervorgeht. Es stellt die häufigste Krebserkrankung der Frau in Deutschland dar und ist für etwa 18 % aller weiblichen Krebstodesfälle verantwortlich. Klinisch unterscheidet man invasive Karzinome, die die Basalmembran durchbrochen haben, von nicht-invasiven In-situ-Karzinomen (DCIS, LCIS), die noch auf das Epithel beschränkt sind. Die Erkrankung ist biologisch heterogen und wird nach molekularen Subtypen stratifiziert, was die Therapieentscheidung maßgeblich beeinflusst. Die aktuelle Grundlage der Diagnostik und Therapie bildet die S3-Leitlinie »Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms« (AWMF-Registernummer 032-045, zuletzt aktualisiert 2021).

Merke: Das Mammakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung der Frau; invasiv vs. In-situ und molekularer Subtyp bestimmen die Therapiestrategie.

Epidemiologie

In Deutschland erkranken jährlich etwa 70.000 Frauen neu an einem Mammakarzinom, was einer altersstandardisierten Inzidenz von ca. 130 pro 100.000 Frauen entspricht. Der Altersmedian bei Erstdiagnose liegt bei etwa 64 Jahren, mit einem ersten Häufigkeitsgipfel zwischen 45 und 55 Jahren (perimenopausal) und einem zweiten Gipfel jenseits des 70. Lebensjahres. Männer erkranken selten (< 1 % aller Mammakarzinome, ca. 700 Fälle/Jahr in Deutschland). Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt stadienabhängig insgesamt etwa 83 %. Durch das gesetzliche Mammographie-Screening-Programm (50–75 Jahre) werden zunehmend frühe Stadien entdeckt, was die Mortalität seit den 1990er-Jahren um ca. 30 % gesenkt hat.

Ätiologie

Der wichtigste Risikofaktor ist das weibliche Geschlecht in Kombination mit zunehmendem Lebensalter. Genetische Faktoren spielen bei ca. 5–10 % der Fälle eine entscheidende Rolle: Pathogene Keimbahnvarianten in BRCA1 (lebenslanges Risiko ca. 70 %) und BRCA2 (ca. 45–65 %) sowie in PALB2, CHEK2 und ATM erhöhen das Erkrankungsrisiko erheblich. Hormonelle Risikofaktoren umfassen frühe Menarche (vor dem 12. Lebensjahr), späte Menopause (nach dem 55. Lebensjahr), Nulliparität, hohes Alter bei erster Geburt (> 30 Jahre) und postmenopausale Hormonersatztherapie (kombinierte Östrogen-Gestagen-Präparate, relatives Risiko ca. 1,3–2,0). Lebensstilbezogene Faktoren wie Adipositas postmenopausal, Alkoholkonsum (linearer Anstieg ab 10 g/Tag), körperliche Inaktivität und Rauchen erhöhen das Risiko moderat. Ionisierende Strahlung (z. B. Thoraxbestrahlung bei Morbus Hodgkin im Jugendalter) und eine positive Familienanamnese (Erstgradige betroffen) sind weitere etablierte Risikofaktoren. Protektiv wirken Stillen, frühe Parität und körperliche Aktivität.

Prüfungsfokus

In der Kenntnisprüfung wird das Mammakarzinom regelmäßig als Fallvorstellung präsentiert: Eine Patientin tastet einen schmerzlosen Knoten, oder es wird ein auffälliger Mammographiebefund beschrieben. Die Prüfungskommission erwartet ein strukturiertes Vorgehen von der Diagnostik (BI-RADS, Biopsie-Indikation) über die Subtypisierung (ER/PR/HER2/Ki-67) bis zur Therapieplanung. Häufige Fallstricke sind die Verwechslung von inflammatorischem Karzinom mit Mastitis, die falsche Einschätzung der Biopsie-Indikation (BI-RADS 3 vs. 4) und Fehler bei der Therapiezuordnung nach Subtyp. Die Unterschiede zwischen Tamoxifen (prämenopausal) und Aromatasehemmern (postmenopausal) sowie die Dauer der Trastuzumab-Therapie (1 Jahr) sind prüfungsrelevante Fakten. Genetische Beratung bei BRCA-Verdacht und die Indikation zur prophylaktischen Mastektomie werden ebenfalls geprüft.

Üben wie in der echten Prüfung

Führen Sie das Gespräch per Sprache mit einem KI-Patienten und einem KI-Prüfer – zwei Simulationen sind kostenlos.

Ganze Lerntafel öffnenKI-Simulation testenTelegram-Community

← Alle Themen