Meningitis im Kindesalter

Pädiatrie · Pädiatrische Neurologie · Wissen für die Kenntnisprüfung

Definition

Die Meningitis bezeichnet eine Entzündung der Hirnhäute (Pia mater, Arachnoidea, Dura mater) und des Subarachnoidalraums, die im Kindesalter überwiegend infektiöser Genese ist. Sie stellt einen pädiatrischen Notfall dar, da die bakterielle Form innerhalb von Stunden zu irreversiblen neurologischen Schäden oder zum Tod führen kann. Klinisch unterscheidet man die bakterielle (eitrige) Meningitis von der viralen (serösen) Meningitis, wobei die Differenzierung therapeutisch entscheidend ist. Im Neugeborenenalter und bei Säuglingen ist die klinische Präsentation oft atypisch, was die Diagnose erschwert. Die Erkrankung kann isoliert auftreten oder Teil einer Meningoenzephalitis bzw. Meningokokkensepsis sein.

Merke: Meningitis im Kindesalter ist ein Notfall: bei klinischem Verdacht sofortige Blutkultur und empirische Antibiotikatherapie — Liquorpunktion darf Therapiebeginn nicht verzögern.

Epidemiologie

Die Inzidenz der bakteriellen Meningitis im Kindesalter beträgt in Deutschland nach Einführung der Konjugatimpfstoffe etwa 2–5 Fälle pro 100.000 Kinder unter 5 Jahren pro Jahr. Säuglinge im ersten Lebensjahr sind am häufigsten betroffen, mit einem zweiten Häufigkeitsgipfel bei Jugendlichen (15–24 Jahre, Meningokokken). Durch die Einführung der Hib-Impfung (1990), der Pneumokokken-Konjugatimpfung (2006) und der Meningokokken-C-Impfung (2006) ist die Inzidenz deutlich gesunken. Virale Meningitiden sind insgesamt häufiger als bakterielle, verlaufen aber in der Regel selbstlimitierend. Meningokokken-Meningitis zeigt saisonale Häufung in den Wintermonaten. Jungen sind geringfügig häufiger betroffen als Mädchen.

Ätiologie

Bakterielle Meningitiden werden im Kindesalter jenseits des Neugeborenenalters am häufigsten durch Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) und Neisseria meningitidis (Meningokokken) verursacht. Im Neugeborenenalter dominieren Streptococcus agalactiae (Gruppe-B-Streptokokken), Escherichia coli (K1-Kapselantigen) und Listeria monocytogenes. Haemophilus influenzae Typ b (Hib) ist durch die Impfung in Deutschland selten geworden, kommt aber bei ungeimpften Kindern vor. Virale Meningitiden werden überwiegend durch Enteroviren (Coxsackieviren, Echoviren) verursacht, seltener durch Herpes-simplex-Virus (HSV), Varizella-Zoster-Virus (VZV), Mumpsvirus oder FSME-Virus. Tuberkulöse Meningitis durch Mycobacterium tuberculosis ist in Deutschland selten, aber bei Migrationshintergrund oder Immunsuppression zu bedenken. Pilzmeningitiden (Cryptococcus neoformans) betreffen fast ausschließlich immunsupprimierte Kinder.

Prüfungsfokus

Die Meningitis im Kindesalter ist ein Kernthema der Kenntnisprüfung Pädiatrie mit hoher Prüfungsrelevanz. Prüfer testen insbesondere die klinische Entscheidungsfindung unter Zeitdruck: Wann darf die LP nicht sofort erfolgen? Wann muss die Antibiotikatherapie vor LP begonnen werden? Typische Fallpräsentationen zeigen ein Kleinkind mit Fieber, Erbrechen und Nackensteifigkeit oder ein Neugeborenes mit Trinkschwäche und vorgewölbter Fontanelle. Häufige Fallstricke sind die Verwechslung von Fieberkrampf und Meningitis, das Vergessen der Dexamethason-Gabe, die falsche Erregerzuordnung nach Alter und das Übersehen von Petechien als Alarmsignal. Die Liquordiagnostik mit Interpretation der Befunde (Zellzahl, Differenzierung, Glukose-Quotient, Laktat) ist prüfungsrelevant. Impfprophylaxe und Chemoprophylaxe für Kontaktpersonen werden regelmäßig abgefragt.

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