Menstruationsstörungen: Amenorrhoe, Dysmenorrhoe und Hypermenorrhoe

Gynäkologie · Endokrine Gynäkologie · Wissen für die Kenntnisprüfung

Definition

Menstruationsstörungen umfassen Abweichungen von Frequenz, Dauer, Stärke oder Schmerzcharakter der Menstruation. Die Amenorrhoe bezeichnet das Ausbleiben der Menstruation: primär, wenn die Menarche bis zum 15. Lebensjahr nicht eingetreten ist, sekundär, wenn die Menstruation bei zuvor menstruierenden Frauen für mindestens drei Monate ausbleibt. Die Dysmenorrhoe beschreibt krampfartige, zyklusassoziierte Unterbauchschmerzen, die primär (ohne organische Ursache) oder sekundär (bei zugrundeliegender Pathologie) auftreten. Die Hypermenorrhoe bezeichnet eine Blutungsmenge von mehr als 80 ml pro Zyklus oder eine Blutungsdauer von mehr als sieben Tagen (Menorrhagie), wobei beide Formen häufig koexistieren. Diese Störungen sind klinisch bedeutsam, da sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und auf schwerwiegende Grunderkrankungen hinweisen können.

Merke: Primäre Amenorrhoe: Menarche fehlt bis 15 J.; sekundäre Amenorrhoe: ≥3 Monate Ausbleiben; Hypermenorrhoe: >80 ml/Zyklus oder >7 Tage Blutungsdauer.

Epidemiologie

Menstruationsstörungen gehören zu den häufigsten gynäkologischen Vorstellungsgründen in der Praxis. Die primäre Dysmenorrhoe betrifft schätzungsweise 50–90 % aller menstruierenden Frauen in unterschiedlicher Ausprägung, davon leiden etwa 10–20 % unter schwerer, die Alltagsfähigkeit einschränkender Symptomatik. Die sekundäre Amenorrhoe tritt bei etwa 3–5 % der Frauen im reproduktiven Alter auf; die häufigste Ursache ist die Schwangerschaft, die stets ausgeschlossen werden muss. Die Hypermenorrhoe betrifft ca. 10–30 % der Frauen im reproduktiven Alter und ist eine der häufigsten Ursachen einer Eisenmangelanämie bei Frauen. Für Deutschland liegen keine einheitlichen bevölkerungsbasierten Inzidenzdaten vor; internationale Studien zeigen konsistente Prävalenzen. Der Altersgipfel der primären Dysmenorrhoe liegt in der Adoleszenz und dem frühen Erwachsenenalter, während Hypermenorrhoe und sekundäre Dysmenorrhoe häufiger in der vierten und fünften Lebensdekade auftreten.

Ätiologie

Die Ursachen der Menstruationsstörungen sind vielfältig und nach Störungstyp geordnet. Die primäre Amenorrhoe entsteht durch gonadale Dysgenesie (z. B. Turner-Syndrom 45,X), anatomische Fehlbildungen (Hymenalatresie, Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom), hypothalamische Funktionsstörungen oder konstitutionelle Entwicklungsverzögerung. Die sekundäre Amenorrhoe wird am häufigsten durch Schwangerschaft, gefolgt von hypothalamischer Amenorrhoe (Stress, Untergewicht, Leistungssport), Hyperprolaktinämie, polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) und prämature Ovarialinsuffizienz verursacht. Die primäre Dysmenorrhoe beruht auf einer gesteigerten Prostaglandinproduktion (PGE2, PGF2α) im Endometrium ohne organische Grunderkrankung. Die sekundäre Dysmenorrhoe entsteht bei Endometriose (häufigste Ursache), Adenomyose, Uterusmyomen, Polypen oder entzündlichen Erkrankungen des kleinen Beckens. Die Hypermenorrhoe hat organische Ursachen (Myome, Polypen, Adenomyose, Gerinnungsstörungen wie Von-Willebrand-Syndrom) oder ist funktionell (anovulatorische Zyklen, Schilddrüsendysfunktion).

Prüfungsfokus

In der Kenntnisprüfung werden Menstruationsstörungen häufig als Fallpräsentation mit Hormonbefunden oder Sonographiebefunden präsentiert. Typische Szenarien sind: junge Frau mit Amenorrhoe und erhöhtem Prolaktin (Prolaktinom vs. Medikamentennebenwirkung), Athletin mit Amenorrhoe und Osteoporose (Female Athlete Triad), Frau mit Dysmenorrhoe und Dyspareunie (Endometriose-Diagnostik und Therapie), Frau mit Hypermenorrhoe und Anämie (Ursachenabklärung, LNG-IUS). Prüfer fragen gezielt nach dem diagnostischen Algorithmus (β-hCG zuerst!), der Interpretation von FSH/LH-Werten, den Rotterdam-Kriterien für PCOS und der Indikation zur Endometriumbiopsie. Die FIGO-PALM-COEIN-Klassifikation und die Unterscheidung primäre vs. sekundäre Dysmenorrhoe/Amenorrhoe sind prüfungsrelevante Grundlagen. Dosierungen von NSAR, Tranexamsäure und Dienogest sowie die Wirkweise des LNG-IUS werden erwartet.

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