Myome (Leiomyom des Uterus)
Definition
Uterusmyome (Leiomyome) sind gutartige, glattmuskuläre Tumoren des Myometriums und stellen die häufigsten benignen Tumoren des weiblichen Genitaltrakts dar. Sie entstehen aus einer einzigen transformierten glatten Muskelzelle und wachsen östrogenabhängig. Histologisch zeigen sie eine Proliferation spindelförmiger glatter Muskelzellen in einem Bindegewebsstroma ohne Kernatypien oder Mitosen. Die maligne Entartung zum Leiomyosarkom ist mit einer Rate von unter 0,5 % selten, muss aber differentialdiagnostisch stets bedacht werden. Klinisch relevant sind Myome durch ihre Auswirkungen auf Blutung, Fertilität und benachbarte Organe.
Epidemiologie
Uterusmyome treten bei bis zu 70–80 % aller Frauen im reproduktiven Alter auf, wenn man sonographische und histologische Studien zugrunde legt. Klinisch symptomatisch werden sie bei etwa 25–50 % der betroffenen Frauen. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr; nach der Menopause kommt es in der Regel zur Größenregression. Afroamerikanische Frauen erkranken häufiger, früher und schwerer als Frauen europäischer Herkunft — für Deutschland liegen keine ethnisch stratifizierten Prävalenzdaten vor. Nulliparität und Adipositas erhöhen das Risiko, während Rauchen und orale Kontrazeptiva das Risiko möglicherweise senken. Myome sind die häufigste Indikation zur Hysterektomie in Deutschland.
Ätiologie
Die Ätiologie der Uterusmyome ist multifaktoriell. Östrogen und Progesteron sind die wichtigsten Wachstumsfaktoren: Myome exprimieren mehr Östrogenrezeptoren als das umgebende Myometrium und proliferieren unter Östrogeneinfluss. Genetische Faktoren spielen eine wesentliche Rolle — in etwa 40–50 % der Myome finden sich chromosomale Aberrationen, häufig Translokationen t(12;14) oder Deletionen im Chromosom 7. Wachstumsfaktoren wie EGF (epidermaler Wachstumsfaktor), IGF-1 und TGF-β fördern die Proliferation. Risikofaktoren umfassen Nulliparität, frühe Menarche (vor dem 10. Lebensjahr), Adipositas (erhöhte periphere Östrogenproduktion), positive Familienanamnese und afroamerikanische Ethnizität. Protektiv wirken Multiparität, Rauchen (antiöstrogener Effekt) und möglicherweise orale Kontrazeptiva.
Prüfungsfokus
In der Kenntnisprüfung werden Uterusmyome häufig als Fallpräsentation einer Frau im reproduktiven Alter mit Menorrhagie und Eisenmangelanämie präsentiert. Die Prüfungskommission erwartet die korrekte Zuordnung der Symptome zur Myomlokalisation (submukös = Blutung, subserös = Druck), die Kenntnis der FIGO-Klassifikation und die Indikationsstellung zur Hysteroskopie versus Laparoskopie. Häufige Fallstricke sind die Verwechslung mit Adenomyose (kein abgrenzbarer Tumor im MRT), das Übersehen eines Leiomyosarkoms bei raschem Wachstum und die falsche Therapieempfehlung (Morcellation bei unklarem Befund). Die Kontraindikation zur Morcellation und der Marktrückzug von Ulipristalacetat (2020) sind prüfungsrelevante Fakten. Dosierungen von GnRH-Analoga und die maximale Therapiedauer (6 Monate) werden gezielt abgefragt.
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