Narbenhernie
Definition
Die Narbenhernie ist ein Bauchwandbruch, der im Bereich einer früheren Operationsnarbe auftritt und durch eine Defektheilung der Bauchdeckenfaszie entsteht. Der Bruchinhalt (meist Omentum majus oder Dünndarm) tritt durch die Faszienlücke unter die Haut vor, wobei der Bruchsack von Peritoneum gebildet wird. Sie ist die häufigste Spätkomplikation nach abdominellen Operationen.
Epidemiologie
Narbenhernien treten bei etwa 10-15 Prozent aller Laparotomien auf, nach Notfalleingriffen sogar bei bis zu 23 Prozent. Die Inzidenz nach laparoskopischen Eingriffen liegt deutlich niedriger bei 1-3 Prozent. Etwa 50 Prozent der Narbenhernien manifestieren sich im ersten Jahr nach der Operation, 75 Prozent innerhalb der ersten drei Jahre. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Ätiologie
Die Entstehung einer Narbenhernie ist multifaktoriell bedingt und umfasst technische, patientenbezogene und wundbedingte Faktoren. Technische Faktoren beinhalten inadäquate Nahttechnik, zu hohe Gewebespannung und Infektionen im Wundbereich. Patientenseitige Risikofaktoren sind Adipositas, Diabetes mellitus, Kortikosteroidtherapie, Bindegewebserkrankungen, Mangelernährung und chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Postoperative Wundinfektionen erhöhen das Risiko um das Dreifache.
Prüfungsfokus
In der Prüfung werden häufig Risikofaktoren, klinische Zeichen und die Differenzierung zur Rektusdiastase gefragt. Die Wahl des operativen Verfahrens in Abhängigkeit von Defektgröße und Patientenfaktoren ist prüfungsrelevant. Notfallindikationen bei Inkarzeration und die Komplikationen müssen sicher erkannt werden. Die EHS-Klassifikation und das Nahtlängen-Wundlängen-Verhältnis von 4:1 sind häufige Prüfungsinhalte.
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