Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs)
Definition
Das Ovarialkarzinom ist ein maligner epithelialer Tumor des Ovars, der Tuben oder des Peritoneums und stellt die häufigste Ursache gynäkologischer Krebssterblichkeit in Deutschland dar. Histologisch dominieren high-grade seröse Karzinome (ca. 70 %), gefolgt von endometrioiden, klarzelligen und muzinösen Subtypen. Nach aktueller Erkenntnis entstehen viele high-grade seröse Karzinome primär im Fimbrientrichter der Tube und besiedeln sekundär das Ovar. Die WHO-Klassifikation 2020 unterscheidet epitheliale Tumoren, Keimzelltumoren und Keimstrang-Stroma-Tumoren. Klinisch relevant ist die häufig späte Diagnosestellung im Stadium FIGO III–IV, da frühe Stadien meist asymptomatisch verlaufen.
Epidemiologie
In Deutschland erkranken jährlich ca. 7.400 Frauen neu am Ovarialkarzinom (Robert Koch-Institut, Krebsregisterdaten ca. 2020). Die altersstandardisierte Inzidenz beträgt etwa 13 pro 100.000 Frauen. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr; vor dem 40. Lebensjahr ist die Erkrankung selten. Das Ovarialkarzinom ist nach dem Endometriumkarzinom das zweithäufigste gynäkologische Malignom, verursacht jedoch die meisten Todesfälle in dieser Gruppe. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt stadienabhängig zwischen 20 % (FIGO IV) und über 90 % (FIGO I). Etwa 15–20 % der Patientinnen tragen eine BRCA1- oder BRCA2-Keimbahnmutation.
Ätiologie
Der wichtigste Risikofaktor ist eine familiäre Belastung mit BRCA1- oder BRCA2-Keimbahnmutation; das Lebenszeitrisiko beträgt bei BRCA1-Mutation bis zu 44 %, bei BRCA2 bis zu 17 %. Weitere hereditäre Syndrome umfassen das Lynch-Syndrom (MLH1, MSH2, MSH6, PMS2), das mit einem erhöhten Risiko für endometrioide und klarzellige Karzinome assoziiert ist. Sporadische Fälle entstehen durch somatische Mutationen; Risikofaktoren sind Nulliparität, frühe Menarche, späte Menopause, Endometriose (besonders für klarzellige und endometrioide Subtypen) sowie Hormonersatztherapie mit Östrogen-Gestagen-Kombination über >5 Jahre. Protektiv wirken orale Kontrazeptiva (Risikoreduktion ca. 50 % bei >5 Jahren Einnahme), Multiparität, Stillen und Tubenligatur. Talkumpuder-Exposition wird diskutiert, ist aber nicht abschließend belegt.
Prüfungsfokus
In der Kenntnisprüfung wird das Ovarialkarzinom häufig als Fallpräsentation einer postmenopausalen Frau mit Aszites, Bauchumfangszunahme und erhöhtem CA-125 präsentiert. Prüfer fragen gezielt nach der FIGO-Klassifikation, dem Unterschied zwischen FIGO III und IV, dem Stellenwert der R0-Resektion und der Indikation für PARP-Inhibitoren. Typische Fallstricke sind die Verwechslung von Tubenkarzinom und Ovarialkarzinom (heute gemeinsam klassifiziert), die Fehlinterpretation eines erhöhten CA-125 als beweisend (kein Screening-Instrument) sowie die falsche Zuordnung von Bevacizumab und PARP-Inhibitoren zu den Indikationen. Die Unterscheidung platinsensibles vs. platinresistentes Rezidiv (Grenze 6 Monate) ist prüfungsrelevant. Kenntnisse zur BRCA-Testung, zur RRSO und zum Lynch-Syndrom werden erwartet. Die S3-Leitlinie (AWMF 032-035OL) ist Grundlage aller Therapieentscheidungen.
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