Plazenta praevia und vorzeitige Plazentalösung

Gynäkologie · Geburtshilfe Notfälle · Wissen für die Kenntnisprüfung

Definition

Die Plazenta praevia bezeichnet die Implantation der Plazenta im Bereich des unteren Uterinsegments mit teilweiser oder vollständiger Überdeckung des inneren Muttermundes, sodass die Plazenta dem vorangehenden Kindsteil vorausgeht. Die vorzeitige Plazentalösung (Ablatio placentae) ist die vorzeitige Separation einer normal inserierten Plazenta von der Uteruswand vor der Geburt des Kindes, typischerweise nach der 20. Schwangerschaftswoche. Beide Entitäten zählen zu den gefährlichsten geburtshilflichen Notfällen und sind führende Ursachen für maternale und perinatale Morbidität und Mortalität. Während die Plazenta praevia klassischerweise mit schmerzloser Blutung einhergeht, ist die Ablatio placentae durch plötzlichen Schmerz und häufig verdeckte Blutung charakterisiert. Die korrekte Differenzierung beider Entitäten ist für das therapeutische Management entscheidend.

Merke: Plazenta praevia = schmerzlose Blutung; Ablatio placentae = Schmerz ± Blutung. Vaginale Untersuchung bei unklarer antepartaler Blutung ist kontraindiziert.

Epidemiologie

Die Plazenta praevia tritt mit einer Häufigkeit von etwa 0,3–0,5 % aller Geburten auf, wobei die Inzidenz durch die steigende Sectiorate zunimmt — nach einer Sectio caesarea erhöht sich das Risiko auf ca. 1–3 %. Die vorzeitige Plazentalösung betrifft etwa 0,5–1 % aller Schwangerschaften und ist für ca. 10–15 % der perinatalen Todesfälle verantwortlich. Beide Erkrankungen treten bevorzugt im dritten Trimenon auf, wobei die Plazenta praevia häufig bereits ab der 28.–32. SSW symptomatisch wird. Multiparität, höheres Lebensalter der Mutter und vorangegangene Uterusoperationen sind gemeinsame Risikofaktoren. In Deutschland liegen keine gesondert publizierten Inzidenzregister für diese Entitäten vor; die genannten Zahlen entsprechen internationalen Kohortendaten.

Ätiologie

Bei der Plazenta praevia ist der wichtigste Risikofaktor eine vorangegangene Sectio caesarea oder andere Uterusoperationen (Myomenukleation, Kürettage), die zu Narbenbildung im unteren Uterinsegment führen und eine atypische Plazentaimplantation begünstigen. Weitere Risikofaktoren sind Multiparität, Mehrlingsschwangerschaft, höheres Lebensalter, Rauchen, Kokainabusus sowie vorausgegangene Plazenta praevia. Bei der Ablatio placentae steht die arterielle Hypertonie — insbesondere die Präeklampsie — an erster Stelle der Risikofaktoren, gefolgt von Trauma (z. B. Verkehrsunfall, häusliche Gewalt), Rauchen, Kokainabusus, Thrombophilien (z. B. Faktor-V-Leiden-Mutation, Antiphospholipid-Syndrom) und einem vorzeitigen Blasensprung. Auch eine rasche Dekompression des Uterus (z. B. nach Geburt des ersten Zwillings oder Ablassen von Fruchtwasser bei Polyhydramnion) kann eine Ablatio auslösen. Gemeinsam ist beiden Erkrankungen, dass vorangegangene Uterusschäden und vaskuläre Risikofaktoren die Inzidenz erhöhen.

Prüfungsfokus

Die Kenntnisprüfung testet bei diesem Thema vor allem die sichere klinische Differenzierung beider Entitäten anhand der Leitsymptome sowie das korrekte Notfallmanagement. Häufige Fallstricke sind die Anordnung einer vaginalen Untersuchung bei unklarer antepartaler Blutung (absolut kontraindiziert), die Unterschätzung des Blutverlustes bei verdeckter Ablatio und das Vergessen der DIC-Diagnostik. Prüfer fragen typischerweise nach der Klassifikation der Plazenta praevia, den Indikationen zur Notfallsectio, der Lungenreifeinduktion und der DIC-Therapie mit konkreten Dosierungen. Die Vasa praevia als seltene, aber prüfungsrelevante Differentialdiagnose mit hoher fetaler Mortalität wird häufig als Fangfrage eingesetzt. Das Plazenta accreta spectrum als Komplikation der Plazenta praevia bei Narbenplazenta ist ein weiterer Schwerpunkt.

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