Postpartale Blutung (PPH)
Definition
Die postpartale Blutung (PPH) bezeichnet einen Blutverlust von ≥500 ml nach vaginaler Geburt oder ≥1000 ml nach Sectio caesarea innerhalb von 24 Stunden post partum. Eine schwere PPH liegt bei einem Blutverlust von ≥1000 ml nach vaginaler Geburt vor. Die primäre PPH tritt innerhalb der ersten 24 Stunden auf, die sekundäre PPH zwischen dem 2. Tag und der 12. Woche post partum. Die PPH ist weltweit die häufigste Ursache mütterlicher Mortalität und ein geburtshilflicher Notfall, der sofortiges strukturiertes Handeln erfordert. Die AWMF-S2k-Leitlinie »Peripartale Blutungen« (DGGG, 2016, aktuell in Überarbeitung) bildet die Grundlage des deutschen Managements.
Epidemiologie
Die PPH betrifft weltweit ca. 5–6 % aller Geburten, in Deutschland wird die Inzidenz auf etwa 3–5 % geschätzt. Die schwere PPH (>1000 ml) tritt bei ca. 1–2 % aller Geburten auf. In Deutschland sterben jährlich schätzungsweise 5–10 Frauen an den Folgen einer PPH, was sie zur führenden direkten Ursache mütterlicher Mortalität macht. Risikofaktoren wie Mehrlingsschwangerschaften, Uterusmyome und vorausgegangene Uterusoperationen nehmen durch veränderte Reproduktionsmedizin und steigende Sectiorate zu. Die Sectiorate in Deutschland liegt bei ca. 30 %, was das Risiko für Plazentaimplantationsstörungen bei Folgeschwangerschaften erhöht.
Ätiologie
Die Ursachen der PPH werden klassisch nach dem '4-T-Schema' eingeteilt: Tonus (Uterusatonie), Trauma (Geburtsverletzungen), Tissue (Plazentareste) und Thrombin (Gerinnungsstörungen). Die Uterusatonie ist mit ca. 70–80 % die häufigste Ursache und entsteht durch unzureichende Uteruskontraktion nach Plazentalösung. Geburtsverletzungen (Zervix-, Vaginal- und Dammrisse, Uterusruptur) verursachen ca. 10–20 % der PPH-Fälle. Plazentareste oder eine Placenta accreta/increta/percreta verhindern die physiologische Uteruskontraktion und führen zu anhaltender Blutung. Gerinnungsstörungen (DIC, angeborene Koagulopathien, Antikoagulation) sind seltenere, aber lebensbedrohliche Ursachen.
Prüfungsfokus
Die PPH ist ein Kernthema der Kenntnisprüfung im Bereich Geburtshilfe-Notfälle. Prüfer erwarten die sichere Kenntnis des 4-T-Schemas, des Stufenalgorithmus der Therapie mit konkreten Medikamenten und Dosierungen sowie die Fähigkeit, die Ursache der Blutung klinisch einzugrenzen. Häufige Fallstricke sind die Verwechslung von Sulproston und Oxytocin-Indikationen, das Vergessen von Tranexamsäure sowie die Unterschätzung des Blutverlustes. Die Prüfung testet auch das Wissen über Placenta accreta als Risikofaktor bei Zustand nach Sectio und das Sheehan-Syndrom als Spätkomplikation. Das aktive Management der Nachgeburtsperiode (AMTSL) und die Prophylaxe sind prüfungsrelevant.
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