Präeklampsie und HELLP-Syndrom
Definition
Die Präeklampsie ist eine schwangerschaftsspezifische Multisystemerkrankung, definiert durch neu aufgetretene Hypertonie (systolisch ≥ 140 mmHg und/oder diastolisch ≥ 90 mmHg) nach der 20. Schwangerschaftswoche (SSW) in Kombination mit Proteinurie (≥ 300 mg/24 h oder Protein-Kreatinin-Quotient ≥ 30 mg/mmol) oder Zeichen einer Organdysfunktion. Das HELLP-Syndrom stellt eine lebensbedrohliche Sonderform bzw. Komplikation der Präeklampsie dar, charakterisiert durch die Trias Hämolyse (Hemolysis), erhöhte Leberenzyme (Elevated Liver enzymes) und Thrombozytopenie (Low Platelets). Beide Erkrankungen gehören zur Gruppe der hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen und sind nach der S2k-Leitlinie »Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft« der DGGG (2019) klassifiziert. Die einzige kausale Therapie ist die Entbindung, was bei frühem Gestationsalter einen erheblichen klinischen Konflikt zwischen mütterlicher und kindlicher Gesundheit erzeugt.
Epidemiologie
Die Präeklampsie betrifft weltweit 2–8 % aller Schwangerschaften; in Deutschland liegt die Inzidenz bei etwa 3–5 %. Das HELLP-Syndrom tritt bei 0,1–0,6 % aller Schwangerschaften auf und kompliziert 10–20 % der schweren Präeklampsien. Erstgebärende sind deutlich häufiger betroffen als Mehrgebärende (Risikofaktor Nulliparität). Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen der 28. und 36. SSW, wobei das HELLP-Syndrom in bis zu 30 % der Fälle erst postpartal auftritt, typischerweise innerhalb von 48 Stunden nach der Entbindung. Präeklampsie ist weltweit für 10–15 % der direkten mütterlichen Todesfälle verantwortlich. In Deutschland sterben jährlich schätzungsweise 10–20 Frauen an Komplikationen hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen.
Ätiologie
Die Ätiologie der Präeklampsie ist multifaktoriell; als zentraler pathogenetischer Ausgangspunkt gilt eine gestörte Trophoblasteninvasion mit inadäquater Umwandlung der Spiralarterien. Wichtigste Risikofaktoren sind Nulliparität, vorbestehende Hypertonie oder Nierenerkrankung, Diabetes mellitus, Adipositas (BMI > 30 kg/m²), Mehrlingsschwangerschaft sowie positive Familienanamnese für Präeklampsie. Immunologische Faktoren spielen eine Rolle: kurze Expositionsdauer gegenüber väterlichem Sperma (Erstpartnerschaft, Barrierekontrazeption) erhöht das Risiko. Thrombophilien (Antiphospholipid-Syndrom, Faktor-V-Leiden-Mutation) sind mit einem erhöhten Risiko assoziiert. Frauen mit Präeklampsie in einer Vorgravidität haben ein Rezidivrisiko von 15–25 %. Das Alter über 40 Jahre sowie ein Abstand von mehr als 10 Jahren zur letzten Schwangerschaft gelten ebenfalls als Risikofaktoren.
Prüfungsfokus
Die Präeklampsie und das HELLP-Syndrom sind Kernthemen der Kenntnisprüfung im Bereich Geburtshilfe und Notfallmedizin. Prüfer testen insbesondere die korrekte Diagnosestellung anhand von Laborwerten, die Kenntnis der Therapiealgorithmen inklusive Dosierungen von Magnesiumsulfat und Antihypertensiva sowie die Abgrenzung zu lebensbedrohlichen Differentialdiagnosen wie AFLP und TTP. Typische Fallpräsentationen zeigen eine Schwangere in der 32. SSW mit Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Thrombozytopenie — hier muss der Kandidat HELLP-Syndrom diagnostizieren, die Mississippi-Klassifikation anwenden und den Therapieplan inklusive Entbindungsindikation formulieren. Häufige Fallstricke sind: HELLP ohne Hypertonie nicht erkennen, Magnesiumsulfat-Dosierung verwechseln, ACE-Hemmer fälschlicherweise als Antihypertensivum in der Schwangerschaft nennen und die postpartale Manifestation des HELLP-Syndroms übersehen.
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