Pseudokrupp (subglottische Laryngitis)
Definition
Der Pseudokrupp ist eine akute, meist viral bedingte Entzündung der subglottischen Larynxschleimhaut und der oberen Trachea, die zu einer charakteristischen inspiratorischen Atemwegsobstruktion führt. Die Erkrankung ist abzugrenzen vom echten Krupp (Diphtherie), der heute in Deutschland durch Impfung nahezu eliminiert ist. Klinisch imponiert die Trias aus bellendem Husten, Heiserkeit und inspiratorischem Stridor, die typischerweise nachts akut beginnt. Die subglottische Region ist beim Kleinkind anatomisch besonders eng, weshalb bereits eine geringe Schleimhautschwellung zu relevantem Strömungswiderstand führt. Der Pseudokrupp stellt einen der häufigsten pädiatrischen Notfälle im Kleinkindealter dar.
Epidemiologie
Der Pseudokrupp betrifft vorwiegend Kinder zwischen 6 Monaten und 6 Jahren, mit einem Häufigkeitsgipfel im 2. Lebensjahr. Jungen erkranken etwa 1,5-mal häufiger als Mädchen. In Deutschland ist der Pseudokrupp eine der häufigsten Ursachen für pädiatrische Notaufnahmevorstellungen im Herbst und Winter, wobei genaue Inzidenzzahlen für Deutschland nicht einheitlich publiziert sind. International wird eine Inzidenz von ca. 3–5 % aller Kinder unter 6 Jahren pro Jahr angegeben. Rezidive treten bei etwa 5–15 % der betroffenen Kinder auf, insbesondere bei atopischer Disposition. Die Erkrankung zeigt eine ausgeprägte saisonale Häufung in den Herbst- und Wintermonaten, korrelierend mit der Parainfluenza-Saison.
Ätiologie
In über 75 % der Fälle sind Parainfluenzaviren (Typen 1, 2, 3) die Ursache, wobei Typ 1 am häufigsten vorkommt. Weitere virale Erreger sind Respiratory-Syncytial-Virus (RSV), Influenzaviren A und B, Adenoviren, Rhinoviren und humane Metapneumoviren. Seltener werden Masernvirus oder Mycoplasma pneumoniae als Auslöser identifiziert. Eine bakterielle Superinfektion ist selten, kann aber zu einem schwereren Verlauf führen (bakterielle Tracheitis). Bei Kindern mit atopischer Diathese kann auch eine allergische Komponente (spasmodischer Krupp) ohne Infekt vorliegen, die zu rezidivierenden Episoden neigt. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen- und Kontaktinfektion.
Prüfungsfokus
In der Kenntnisprüfung wird Pseudokrupp häufig als Fallpräsentation eines nächtlich agitiert wirkenden Kleinkindes mit bellendem Husten und Stridor vorgestellt. Prüfer testen die sichere Abgrenzung zur Epiglottitis (keine Racheninspektion!), die korrekte Dosierung von Dexamethason und die Indikation für inhalatives Adrenalin. Häufige Fallstricke sind die Verwechslung mit Epiglottitis, das Vergessen des Rebound-Phänomens nach Adrenalin und die falsche Empfehlung von Dampfinhalation (kein Nutzen belegt). Die Pathophysiologie (Hagen-Poiseuille) und die anatomische Besonderheit der subglottischen Enge beim Kleinkind werden regelmäßig abgefragt. Kenntnisse der Westley-Score-Kriterien und der daraus resultierenden Therapieeskalation sind prüfungsrelevant.
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