Scharlach (Streptokokken-A-Infektion)
Definition
Scharlach ist eine akute, durch erythrogene Toxine (Streptokokken-Pyrogenexotoxine A, B, C) vermittelte Infektionskrankheit, die durch Gruppe-A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes) verursacht wird. Klinisch ist sie durch die Trias aus Pharyngotonsillitis, Fieber und einem charakteristischen kleinfleckigen Exanthem gekennzeichnet. Die Erkrankung betrifft vorwiegend Schulkinder und ist in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig. Scharlach gilt als klassische Kinderkrankheit, kann jedoch in jedem Alter auftreten und ist durch Penicillin gut behandelbar. Die Bedeutung liegt vor allem in der Prävention immunvermittelter Spätkomplikationen wie dem akuten rheumatischen Fieber und der Poststreptokokken-Glomerulonephritis.
Epidemiologie
Scharlach tritt weltweit auf und zeigt in Deutschland saisonale Häufungen in den Wintermonaten und im Frühjahr. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 4. und 10. Lebensjahr; Säuglinge erkranken selten, da maternale Antikörper schützen. Beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen. In Deutschland werden jährlich mehrere zehntausend Fälle gemeldet, wobei eine erhebliche Dunkelziffer besteht, da die Meldepflicht gemäß § 34 IfSG nur für Gemeinschaftseinrichtungen gilt. Epidemien in Schulen und Kindergärten sind typisch. In den letzten Jahren wurden in Europa und Deutschland Ausbrüche mit invasiven GAS-Infektionen (iGAS) beobachtet, die auf veränderte Virulenzfaktoren hinweisen. Eine Immunität gegen erythrogene Toxine entwickelt sich nach Infektion, schützt jedoch nicht vor erneuter GAS-Infektion mit anderem Toxintyp, sodass Reinfektionen möglich sind.
Ätiologie
Scharlach wird ausschließlich durch Gruppe-A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes) verursacht, die erythrogene Toxine (Streptokokken-Pyrogenexotoxine, SPE) produzieren. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion über Atemwegssekrete, seltener durch Schmierinfektion oder kontaminierte Lebensmittel (Milch, Eiscreme). Nur toxinproduzierende Stämme lösen das Exanthem aus; eine reine Pharyngitis ohne Exanthem ist bei nicht-toxinproduzierenden GAS-Stämmen möglich. Die Toxine SPE-A, SPE-B und SPE-C wirken als Superantigene und sind für das Exanthem sowie systemische Entzündungsreaktionen verantwortlich. Selten kann Scharlach auch von einer Wundinfektion (Wundscharlach) oder einer Puerperalinfektion ausgehen, wenn die Eintrittspforte nicht der Pharynx ist. Asymptomatische Träger (ca. 15–20 % der Schulkinder) können als Reservoir dienen, sind jedoch weniger infektiös als akut Erkrankte.
Prüfungsfokus
In der Kenntnisprüfung wird Scharlach häufig als Fallpräsentation eines Kindes mit abruptem Fieberbeginn, Halsschmerzen und Exanthem präsentiert. Die Prüfungskommission testet die sichere Erkennung der pathognomonischen Zeichen (Erdbeerzunge, Sandpapier-Exanthem, Munddreieck-Blässe), die korrekte Therapieentscheidung (Penicillin V, 10 Tage, nicht kürzer) und das Wissen um die Meldepflicht nach § 34 IfSG. Häufige Fallstricke sind die Verwechslung mit EBV-Mononukleose (Amoxicillin-Exanthem) und das Vergessen der Therapiedauer. Die Prüfung fragt regelmäßig nach den Spätkomplikationen (ARF, PSGN) und deren Prävention. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, wann ein Kind die Gemeinschaftseinrichtung wieder besuchen darf. Der McIsaac-Score und die Indikation zur Kultur bei negativem Schnelltest sind prüfungsrelevant.
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