Sexuell übertragbare Infektionen (STI-Übersicht)
Definition
Sexuell übertragbare Infektionen (STI) umfassen eine heterogene Gruppe von Infektionskrankheiten, die primär durch sexuellen Kontakt übertragen werden, einschließlich vaginalem, analem und oralem Verkehr. Erreger sind Bakterien (Treponema pallidum, Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis), Viren (HIV, HPV, HSV-2, HBV) sowie Parasiten (Trichomonas vaginalis, Phthirus pubis) und Pilze (Candida spp. als Grenzfall). Klinisch bedeutsam ist die häufige Koinfektion: Bis zu 30 % der Patientinnen mit einer STI weisen gleichzeitig eine weitere STI auf. Die WHO unterscheidet kurativ behandelbare STI (Syphilis, Gonorrhoe, Chlamydien, Trichomoniasis) von chronisch-viralen STI (HIV, HPV, HSV, HBV), die nicht heilbar, aber kontrollierbar sind. In Deutschland sind Syphilis, HIV und Gonorrhoe nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig. Die gynäkologische Relevanz ergibt sich aus Komplikationen wie Pelvic Inflammatory Disease (PID), Infertilität und vertikaler Transmission.
Epidemiologie
In Deutschland meldet das Robert Koch-Institut (RKI) seit Jahren steigende Inzidenzen für Syphilis und Gonorrhoe. Die Syphilis-Inzidenz lag 2022 bei ca. 33 Fällen pro 100.000 Einwohner, mit einem deutlichen Anstieg bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Gonorrhoe-Meldungen stiegen auf über 30.000 Fälle jährlich. Chlamydia-trachomatis-Infektionen sind die häufigste bakterielle STI in Deutschland; belastbare Inzidenzdaten fehlen aufgrund fehlender Meldepflicht, Schätzungen gehen von 300.000–500.000 Neuinfektionen pro Jahr aus. HPV-Infektionen betreffen schätzungsweise 70–80 % aller sexuell aktiven Personen im Laufe ihres Lebens. Trichomonas vaginalis ist weltweit die häufigste nicht-virale STI, in Deutschland jedoch seltener diagnostiziert. Risikogruppen sind junge Erwachsene (15–24 Jahre), MSM, Sexarbeiterinnen und Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern. Die COVID-19-Pandemie führte 2020–2021 zu einem vorübergehenden Rückgang der Meldezahlen, gefolgt von einem Rebound-Effekt.
Ätiologie
Die Erreger sexuell übertragbarer Infektionen lassen sich nach Erregerkategorie und Übertragungsweg systematisieren. Bakterielle STI umfassen Chlamydia trachomatis (Serotypen D–K für genitale Infektionen, L1–L3 für Lymphogranuloma venereum), Neisseria gonorrhoeae, Treponema pallidum subsp. pallidum (Syphilis), Haemophilus ducreyi (Ulcus molle), Mycoplasma genitalium sowie Gardnerella vaginalis (assoziiert mit bakterieller Vaginose, nicht klassisch STI). Virale STI schließen HIV-1 und HIV-2, humane Papillomviren (HPV, über 200 Typen, davon Hochrisikotypen 16, 18, 31, 33 und Niedrigrisikotypen 6, 11), Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2, seltener HSV-1 genital), Hepatitis-B-Virus (HBV) und Molluscum-contagiosum-Virus ein. Parasitäre Erreger sind Trichomonas vaginalis (Protozoon), Phthirus pubis (Filzlaus) und Sarcoptes scabiei (Krätzmilbe). Die Übertragungseffizienz variiert erheblich: HIV wird pro Expositionsereignis mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,1–1 % übertragen, während Gonorrhoe bei einem ungeschützten Kontakt mit einer infizierten Person in bis zu 50–70 % der Fälle übertragen wird. Kofaktoren wie Schleimhautläsionen, andere STI und Immunsuppression erhöhen die Übertragungswahrscheinlichkeit.
Prüfungsfokus
In der Kenntnisprüfung werden STI häufig als Fallpräsentationen mit einem oder mehreren Leitsymptomen präsentiert, bei denen die Kandidatin oder der Kandidat Erreger, Diagnostik, Therapie und Meldepflicht benennen muss. Typische Fallstricke sind: Verwechslung von Ulcus durum (schmerzlos, Syphilis) und Ulcus molle (schmerzhaft, H. ducreyi); Unkenntnis der Syphilis-Stufenserologie (TPPA bleibt lebenslang positiv, VDRL sinkt unter Therapie); falsche Antibiotikawahl bei Gonorrhoe (Fluorchinolone sind wegen Resistenz obsolet); fehlende Partnertherapie; Unkenntnis der Meldepflicht (Syphilis, HIV, Gonorrhoe nach IfSG §7 meldepflichtig, Chlamydien nicht). Schwangerschaftsspezifische Fragen betreffen Syphilis-Screening (obligates Ersttrimester-Screening), Chlamydien-Screening (IGeL-Leistung, aber empfohlen), Therapieanpassung (kein Doxycyclin in der Schwangerschaft) und Sectio-Indikation bei aktivem Herpes genitalis. Die HPV-Impfempfehlung (STIKO, Altersgruppe, Impfstoff) und das Zervixkarzinom-Screening-Programm sind regelmäßige Prüfungsthemen. PrEP und PEP bei HIV werden zunehmend geprüft.
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