Vulvovaginale Infektionen: Candidose, Bakterielle Vaginose und Trichomoniasis

Gynäkologie · Gynäkologische Infektiologie · Wissen für die Kenntnisprüfung

Definition

Vulvovaginale Infektionen umfassen entzündliche Erkrankungen von Vulva und Vagina, die durch Störung der vaginalen Mikrobiota oder durch Erregerübertragung entstehen. Die drei häufigsten Entitäten sind die vulvovaginale Candidose (VVC), die bakterielle Vaginose (BV) und die Trichomoniasis. Die VVC ist eine Pilzinfektion, meist durch Candida albicans, die BV eine polymikrobielle Dysbiose mit Verlust der Laktobazillen-Dominanz ohne klassische Entzündungsreaktion, und die Trichomoniasis eine sexuell übertragbare Protozoeninfektion durch Trichomonas vaginalis. Alle drei Entitäten äußern sich durch Fluor vaginalis, unterscheiden sich jedoch in Charakter des Ausflusses, pH-Wert und Therapie grundlegend. Eine korrekte Differenzierung ist klinisch und therapeutisch entscheidend, da Verwechslungen zu ineffektiver Behandlung und Komplikationen führen.

Merke: VVC, BV und Trichomoniasis sind die häufigsten Ursachen von Fluor vaginalis — Unterscheidung erfolgt über pH, Mikroskopie und Amintest.

Epidemiologie

Die vulvovaginale Candidose ist weltweit die zweithäufigste Ursache von Vaginitis nach der bakteriellen Vaginose; ca. 75 % aller Frauen erkranken mindestens einmal im Leben daran, ca. 40–45 % erleiden ein Rezidiv. Die bakterielle Vaginose ist die häufigste Ursache von Fluor vaginalis bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter mit einer Prävalenz von 20–30 % in Deutschland; sie tritt gehäuft bei Frauen mit wechselnden Sexualpartnern auf, kann aber auch bei sexuell nicht aktiven Frauen vorkommen. Die Trichomoniasis ist die häufigste nicht-virale sexuell übertragbare Infektion weltweit mit geschätzten 156 Millionen Neuinfektionen jährlich (WHO); in Deutschland ist die Prävalenz deutlich niedriger als in Entwicklungsländern, genaue nationale Daten fehlen. Der Altersgipfel der VVC liegt in der reproduktiven Phase, besonders in der Schwangerschaft und unter Antibiotikatherapie. Die BV zeigt eine erhöhte Prävalenz bei Raucherinnen, Frauen mit Intrauterinpessar und bei Frauen mit Sexualpartnerwechsel.

Ätiologie

Die vulvovaginale Candidose wird in 85–90 % der Fälle durch Candida albicans verursacht; Non-albicans-Spezies (C. glabrata, C. tropicalis, C. krusei) sind für 10–15 % verantwortlich und häufig mit Therapieresistenz assoziiert. Begünstigende Faktoren sind Antibiotikatherapie (Störung der Schutzflora), Schwangerschaft (erhöhter Glykogengehalt des Vaginalepithels), Diabetes mellitus, Immunsuppression sowie enge synthetische Kleidung. Die bakterielle Vaginose entsteht durch eine Verschiebung der vaginalen Mikrobiota: Lactobacillus-Spezies werden durch ein polymikrobielles Konsortium aus Gardnerella vaginalis, Prevotella spp., Mobiluncus spp., Mycoplasma hominis und anderen Anaerobiern ersetzt. Auslöser sind häufig Spülungen (Duschen), Sexualverkehr, Rauchen und hormonelle Veränderungen. Trichomonas vaginalis ist ein begeißeltes Protozoon, das ausschließlich sexuell übertragen wird; das Reservoir beim Mann ist die Urethra, wo die Infektion meist asymptomatisch verläuft.

Prüfungsfokus

In der Kenntnisprüfung werden vulvovaginale Infektionen häufig als Fallpräsentation mit Fluor-Beschreibung und Zusatzbefunden (pH, Mikroskopie) präsentiert, wobei die Kandidatin oder der Kandidat die korrekte Diagnose stellen und die passende Therapie benennen soll. Besonders geprüft werden die Amsel-Kriterien für die BV (alle vier kennen, drei von vier für Diagnose erforderlich), die Unterscheidung komplizierter vs. unkomplizierter VVC mit den jeweiligen Therapiekonsequenzen sowie die obligate Partnertherapie bei Trichomoniasis. Häufige Fallstricke sind die Verwechslung von BV und Trichomoniasis (beide pH > 4,5, beide übelriechend), die Nichtbeachtung der Kontraindikation von Fluconazol in der Schwangerschaft und das Vergessen der Partnertherapie bei Trichomoniasis. Die Prüfungskommission fragt auch nach der Bedeutung von Non-albicans-Candida-Spezies und deren Therapie sowie nach den Komplikationen der BV in der Schwangerschaft.

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