Wechseljahre und Hormonersatztherapie (HRT)
Definition
Das Klimakterium bezeichnet die hormonelle Übergangsphase der Frau vom reproduktiven zum nicht-reproduktiven Lebensabschnitt, die durch einen progredienten Abfall der ovariellen Östrogen- und Progesteronproduktion gekennzeichnet ist. Die Menopause ist definiert als die letzte spontane Menstruationsblutung, die retrospektiv nach zwölf Monaten Amenorrhö festgestellt wird; das mittlere Alter in Deutschland beträgt 51 Jahre. Die Perimenopause umfasst den Zeitraum unmittelbar vor und bis zu einem Jahr nach der Menopause, die Postmenopause beginnt danach. Die Hormonersatztherapie (HRT), auch menopausal Hormontherapie (MHT) genannt, bezeichnet die exogene Substitution von Östrogenen, ggf. kombiniert mit Gestagenen, zur Behandlung klimakterischer Beschwerden und ausgewählter Folgeerkrankungen. Die Indikationsstellung und Risikostratifizierung orientieren sich an der S3-Leitlinie 'Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen' der DGGG (2020).
Epidemiologie
In Deutschland durchlaufen jährlich etwa 400.000 Frauen die Menopause; insgesamt befinden sich rund 13 Millionen Frauen in der Peri- oder Postmenopause. Das mittlere Menopausenalter liegt bei 51 Jahren (Spanne 45–55 Jahre); eine Menopause vor dem 40. Lebensjahr gilt als prämature ovarielle Insuffizienz (POI). Bis zu 80 % der Frauen berichten über klimakterische Beschwerden, davon erleben 20–30 % schwere, behandlungsbedürftige Symptome. Die Prävalenz vasomotorischer Symptome (Hitzewallungen, Schweißausbrüche) beträgt in der Perimenopause bis zu 75 %. Die HRT-Nutzungsrate in Deutschland ist nach der WHI-Studie (2002) deutlich zurückgegangen und liegt aktuell bei schätzungsweise 10–15 % der betroffenen Frauen, obwohl eine Rehabilitation der HRT durch differenziertere Risikobewertung stattgefunden hat.
Ätiologie
Die physiologische Menopause entsteht durch den altersbedingten Erschöpfung des ovariellen Follikelvorrats: Mit zunehmendem Alter nimmt die Zahl der Primordialfollikel ab, bis keine ausreichende Östradiolproduktion mehr möglich ist. Der Anstieg von FSH und LH bei fehlendem negativen Feedback durch Östradiol ist die hormonelle Konsequenz. Eine prämature ovarielle Insuffizienz (POI) tritt vor dem 40. Lebensjahr auf und kann idiopathisch, autoimmun (z. B. bei Autoimmunthyreoiditis, Morbus Addison), genetisch (z. B. Turner-Syndrom, Fragiles-X-Prämutation) oder iatrogen (Chemotherapie, Bestrahlung, bilaterale Ovarektomie) bedingt sein. Eine chirurgische Menopause durch bilaterale Ovarektomie führt zu einem abrupten, oft symptomatisch ausgeprägteren Östrogenabfall als die natürliche Menopause. Rauchen ist der wichtigste modifizierbare Risikofaktor für eine frühere Menopause (um durchschnittlich 1–2 Jahre).
Prüfungsfokus
Die Kenntnisprüfung fragt beim Thema Wechseljahre und HRT bevorzugt klinische Entscheidungssituationen: Wann ist HRT indiziert, wann kontraindiziert, welches Regime bei welchem Uterustatus? Häufige Fallstricke sind die Verwechslung von Östrogen-Monotherapie und kombinierter HRT sowie die Unterschätzung des Endometriumkarzinomrisikos bei Östrogen ohne Gestagen. Die Timing-Hypothese (»window of opportunity«) und die Unterschiede zwischen oraler und transdermaler Applikation hinsichtlich VTE-Risiko sind prüfungsrelevant. Differentialdiagnosen des Flush (Hyperthyreose, Karzinoid, Phäochromozytom) werden als Ausschlussdiagnosen gefragt. Die Interpretation von FSH-Werten und die Diagnosekriterien der POI sind ebenfalls häufige Prüfungsthemen.
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