Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs)

Gynäkologie · Gynäkologische Onkologie · Wissen für die Kenntnisprüfung

Definition

Das Zervixkarzinom ist ein maligner epithelialer Tumor des Gebärmutterhalses, der überwiegend an der Transformationszone zwischen Ekto- und Endozervix entsteht. In etwa 70–80 % der Fälle handelt es sich um ein Plattenepithelkarzinom, in 15–25 % um ein Adenokarzinom; seltene Subtypen wie adenosquamöse Karzinome oder neuroendokrine Karzinome machen weniger als 5 % aus. Pathogenetisch ist eine persistierende Infektion mit onkogenen humanen Papillomaviren (HPV), insbesondere HPV 16 und 18, die entscheidende Voraussetzung. Das Zervixkarzinom ist das einzige gynäkologische Karzinom mit einer etablierten Impfpräventionsstrategie und einem effektiven Früherkennungsprogramm. Die Erkrankung durchläuft definierte Vorläuferstadien (zervikale intraepitheliale Neoplasie, CIN I–III), die einer Intervention zugänglich sind.

Merke: Das Zervixkarzinom entsteht fast ausnahmslos auf dem Boden einer persistierenden HPV-Infektion (v. a. HPV 16/18) an der Transformationszone der Zervix.

Epidemiologie

In Deutschland erkranken jährlich etwa 4.400 Frauen neu am Zervixkarzinom (Robert Koch-Institut, Krebsregisterdaten ca. 2020), womit es das zweithäufigste gynäkologische Karzinom nach dem Endometriumkarzinom darstellt. Der Altersgipfel liegt bei 35–55 Jahren, ein zweiter Gipfel findet sich bei 60–70 Jahren. Die altersstandardisierte Inzidenz beträgt in Deutschland ca. 9–10 pro 100.000 Frauen pro Jahr und ist seit Einführung des Früherkennungsprogramms in den 1970er-Jahren deutlich gesunken. Weltweit ist das Zervixkarzinom das vierthäufigste Karzinom der Frau, mit der höchsten Inzidenz in Ländern ohne etablierte Screeningprogramme (Sub-Sahara-Afrika, Lateinamerika). Die Mortalität in Deutschland liegt bei ca. 1.500 Todesfällen pro Jahr. Frauen mit niedrigem Sozialstatus und geringerer Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen sind überproportional betroffen.

Ätiologie

Die persistierende Infektion mit onkogenen HPV-Typen ist die notwendige, aber nicht hinreichende Ursache des Zervixkarzinoms; HPV 16 und 18 sind für ca. 70 % aller Zervixkarzinome verantwortlich. Weitere Hochrisiko-HPV-Typen umfassen HPV 31, 33, 45, 52 und 58. Kofaktoren, die das Progressionsrisiko von einer HPV-Infektion zur CIN und zum Karzinom erhöhen, sind Nikotinabusus, Immunsuppression (HIV-Infektion, Transplantation, immunsuppressive Therapie), früher Beginn der sexuellen Aktivität, hohe Anzahl von Sexualpartnern, Langzeitanwendung oraler Kontrazeptiva (>5 Jahre) sowie niedrige Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen. Chlamydien-Koinfektionen und Herpes-simplex-Virus Typ 2 werden als begünstigende Faktoren diskutiert. Genetische Prädisposition spielt eine untergeordnete Rolle. Ohne persistierende HPV-Infektion ist ein Zervixkarzinom extrem selten.

Prüfungsfokus

Das Zervixkarzinom ist ein Kernthema der gynäkologischen Onkologie in der Kenntnisprüfung. Prüfungskommissionen fokussieren auf die Verknüpfung von HPV-Pathogenese, Screeningalgorithmus, FIGO-Staging und stadienadaptierter Therapie. Typische Fallpräsentationen zeigen eine 42-jährige Frau mit Kohabitationsblutungen und auffälligem Pap-Abstrich oder eine postmenopausale Frau mit blutigem Ausfluss. Häufige Fallstricke sind die Verwechslung von FIGO-Stadien (insbesondere IB1/IB2/IB3 nach 2018-Revision), die falsche Zuordnung von Therapieverfahren zu Stadien und die Unkenntnis der LACC-Trial-Konsequenzen. Die Unterscheidung zwischen Wertheim-Meigs-Operation und einfacher Hysterektomie sowie die Indikation zur Trachelektomie bei Fertilitätswunsch werden häufig geprüft. Prüfer fragen auch nach der Cisplatin-Dosierung in der RCT, den Tumormarkern und der Nachsorgestrategie.

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